ASR

Arbeitsplatzspezifische neuropsychologische Rehabilitation

Patienten, die eine Schädel-Hirn-Verletzung erlitten, haben meist vor Beginn der eigentlichen beruflichen Rehabilitation einen langen Weg hinter sich. Sie waren in Akut- und Rehakliniken und haben oft ambulante Therapien unterschiedlichster Ausrichtung durchlaufen. Die funktionellen Einschränkungen, die sich aus der Verletzung des Hirns ergeben, wurden in den vorangegangenen Phasen der Rehabilitation speziell behandelt und oft haben die Patienten schon entscheidende Fortschritte gemacht und einen neuen Lebensabschnitt begonnen.

Neben den Besonderheiten, die bei der Förderung der körperlichen Potentiale berücksichtigt werden müssen, sind daneben Folgen der Hirnverletzung in den Bereichen der geistigen Leistungsfähigkeit, des emotionalen Erlebens und der Persönlichkeit zu bedenken. Auch in diesen Bereichen haben die Patienten bis zum Beginn der beruflichen Rehabilitation meist enorme Fortschritte seit dem schädigenden Ereignis gemacht. Sie können sich sicher und selbstständig im Alltag orientieren und am sozialen Leben teilnehmen. Der Fokus verschiebt sich zu diesem Zeitpunkt der Rehabilitation auf den Bereich, der in unserem Kulturkreis als identitätsstiftend begriffen wird – das Arbeitsleben.

Der Arbeitsplatz birgt andere Herausforderungen als der Alltag – diese müssen genau erfasst werden und mit den Fähigkeiten des Patienten verglichen werden. Im neuropsychologischen Bereich bedeutet dieser Profilabgleich eine Analyse der kognitiven, emotionalen und sozialen Anforderungen des Arbeitsplatzes einerseits und eine allgemeine sowie arbeitsplatzspezifische Diagnostik der entsprechenden Fähigkeiten des Rehabilitanden andererseits. Zu den üblichen zu erfassenden Bereichen gehören Aufmerksamkeit, Konzentration und Antrieb, Sprache und Sprechen, Lernen und Gedächtnis, höhere visuell-konstruktive Funktionen, Handlungsplanung und Problemlösen, emotionales Erleben und Persönlichkeit. Zur Erfassung dieser Dimensionen werden standardisierte Verfahren und Verhaltensbeobachtung eingesetzt. Dies kennt der Patient in der Regel aus früheren Rehaphasen.

Das Besondere an der arbeitsplatzspezifischen Rehabilitation ist der Abgleich der Anforderungen des Arbeitsplatzes und der Fähigkeiten und Potentiale des Patienten. Ist eine Rückkehr an den Arbeitsplatz in diesem speziellen Fall möglich? Dabei gilt für den Bereich der kognitiven Einschränkungen das Gleiche wie für die körperlichen: Das Funktionstraining wird bis zum größtmöglichen Outcome fortgesetzt und dann von Kompensationstraining begleitet.

Therapeutische Verfahren im Bereich der Neuropsychologie sind zum einen Funktions- und Kompensationstraining der kognitiven Fähigkeiten. Hier werden beispielsweise die Merkfähigkeit trainiert und Strategien erarbeitet, Defizite zu kompensieren (Gebrauch eines Notizheftes, Terminplaners etc.). Zum anderen gehören zu einem Therapiekonzept auch Hilfen bei der emotionalen Bewältigung der Situation sowie verhaltenstherapeutische Unterstützung beim Aufbau neuer Verhaltensweisen und Kompetenzen. Immer wieder muss dabei eine Realitätsprüfung stattfinden; Ziele sollten fortlaufend modifiziert und erweitert werden, wobei eine enge Verzahnung und Absprache der am Rehabilitationsprozess Beteiligten gerade bei neurologischen Rehabilitanden besonders wichtig ist.

Das Entscheidende für die ASR ist nicht das Erreichen eines abstrakten kognitiven Leistungsniveaus, sondern die Anpassung der Kompetenzen des Rehabilitanden an den bestimmten Arbeitsplatz – bzw. eine realistische Modifikation desselben.
Kompetenznetz Schlaganfall

Das Kompetenznetz Schlaganfall bietet für Mediziner, Patienten und ihre Angehörigen eine Plattform zur Informationen und zum Austausch über den Schlaganfall an.

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